Du/Sie

Ingeborg Brown, 53, came to America from Hamburg, Germany when she was 20. She had lived in Ohio and Texas for a total of 33 years as of June 10, 1992. She was born in 1940 in the northern German town of Hamburg in a suburb near the airport. She went to school in Hamburg and even began university study there as well. Naturally, when she went to primary school, Germany was occupied by the Allies, and she learned under a series of experiments that were being tried with the school system. She was in the area of Germany that was occupied by the British. When she was nineteen she came to the United States on a Fulbright scholarship and studied in a small town in Ohio, where she met her future husband. They married and ended up in Texas. She had children, then returned to school. She has been teaching German in high school near Dallas, Texas for a number of years now.

Aber was einem komisch vorkommt, zum Beispiel, wenn ich zum Friseur gehe, gerade Sonntag wieder, zu Super Cuts, dann sagen die, "Wie heißt du?" Die sagen natürlich, "What's your name?", und dann sag' ich "Brown." Da guckt sie mich an, und sagt sie, "Mrs. Brown?" "Yes." Das kann ich mir nicht angewöhnen, denen zu sagen, "Ich heisse Ingeborg." Das sind junge, junge Mädchen - - und, na, also in diesem Fall sind es fast alles junge Mädchen, und sie rufen dann die Namen aus, dass man dran ist. Einmal habe ich - - ich war so - - fühlte mich so übertölpelt, und habe also "Ingeborg" gesagt, und dann ruft die aus, "Ingeborg, du bist dran." (Ich) denke, "Nein, das ist - - das geht mir dann doch noch immer gegen den Strich." Obwohl ich mit Amerikanern ganz leicht auf first-name basis bin - - Das macht mir kein Problem. Aber wenn jetzt Besuch aus Deutschland kommt - - ich hatte Montag und Dienstag Besuch aus Deutschland, und hab' also zum ersten Mal die Frau von einem Bekannten kennengelernt, und die Tochter auch - - die ist Ärtztin - - und wir haben also erst 'rumgestanden und so, rum, - - na, sag' ich jetzt Frau Rieder und Sie, und sagt sie jetzt Frau Brown und Sie, aber weil wir nun hier in Texas sind, haben wir uns also gleich geeinigt, nun mit 'en Vornamen und mit du, und trotzdem haben wir das nicht ganz konsequent durchgehalten. Das Sie schlüpft immer wieder rein, weil man sich eben erst kurz kennengelernt hat. Das ist - - also so - - (öh,) wenn man sich so darauf einigt, und die Frau ist beinah so alt wie ich, und die Tochter ist also wie gesagt ja auch schon bestimmt an die dreißig, also das macht mir nichts aus, wenn die Ingeborg sagen. Aber für mich selber, um die zu duzen ist auch - - dazu muss ich mich zuerst zwingen. Während das im Englischen, natürlich sowieso mit dem "You", ist ja kein Problem, also aber dann auch mit dem Vornamen, ne? Ich glaube, das ist für mich so das Einzige, wo ich auch heute noch diese-- diese Gefühle einfach nicht unterdrücken kann, wenn des Nachbars Tochter, die ich jetzt kenne, seitdem die also zwei oder drei Jahre alt war, oder vielleicht ein bisschen älter, wenn die "Ingeborg" zu mir sagt, also da steht mir jedes Mal so 'n bisschen, (öh,) denk' ich, das hab' ich dir eigentlich nicht erlaubt (lacht). Aber ich meine, da komm' ich nicht darüber weg,... wahrscheinlich in meinem Leben.

LR: Was heißt das in Deutschland, wenn man das macht? Wenn zum Beispiel ein kleines Mädchen "Ingeborg" sagen würde?

IB: Würde die nicht. Die Mutter würde sagen, "Das ist Frau Brown. Du sagst nicht Ingeborg."

LR: Und was ist die Einstellung dahinter-- die dahinter steckt?

IB: Der Respekt vor Erwachsenen, glaube ich. Oder vor'm Alter oder vor Erwachsenen.

LR: OK, und ist das auch das Gleiche, wenn du beim Hairdresser bist?

IB: Ja, das würde - - kein Verkäufer-- keine Verkäuferin oder irgend-- also jemand, der dich nicht kennt, würde ja nie im Leben auf die Idee kommen zu fragen, wie du mit Vornamen heißt. Also wenn man nach dem Namen fragt, erwartet man nur den Nachnamen.

LR: Weil das auch dann Respekt zeigt?

IB: Ja, und das ist ein Privileg. Ich habe mit Leuten gearbeitet ... im Büro für die US-Armee. Da waren ein Herr und eine Dame. Die haben zwanzig Jahre zusammen gearbeitet, und haben sich nur mit Nachnamen angeredet, und mit Sie. Die waren nicht befreundet, außerhalb des Büros, und da blieb es auf der Basis-- auf der formellen Basis. Und das ist gar nicht ungewöhnlich. Ich meine, wiederum ändert sich das heute etwas. Man ist etwas legerer geworden, sagt mir meine Schwester. Aber trotzdem, wenn man jemanden kennenlernt-- ich würde nur als meine-- also "Das ist meine Schwester Frau Brown", werde ich vorgestellt. Und dann würde auch keiner fragen, "Wie heißen Sie mit Vornamen?" Also, erst wenn man sich besser kennenlernt, und dann ist es immer noch so, dass man nach dem Ritual-- muss der Ältere oder die Ältere den ersten Schritt tun. Oder aber der oder die sozial höher gestellte Person, wie das - - so - - doch, das gibt es, glaub' ich noch. Aber das sind so Sachen wo du oder Sie, wo du danach fragst (lacht), muss ich wenn ich jetzt darüber [nach Deutschland] gehe, wirklich besser aufpassen, um zu sehen, ob sich wirklich-- es hat sich manches geändert, aber bis zu welchem Grad, das kann ich in Moment gar nicht beurteilen, weil wir meistens natürlich unter Freunden sind, wenn wir zum Urlaub nach Deutschland fliegen. Und das ist interessant, ich werd' mich also da mal ein bisschen mehr mit befassen, wenn ich jetzt 'rüber gehe.

Generic Cultural Activities and Language Exercises for Intermediate and Advanced Students

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Transcribed and designed by Elizabeth Thompson

Edited by Lana Rings